Tipps beim Pferdekauf

Worauf können Sie beim Kauf eines Pferdes (ohne den Blick hinter die Kulissen der Astrologie) achten, um schon im Vorwege zu klären, ob Sie beim richtigen Vermittler/Pferd gelandet sind?

  1. Pferdename – mögen Sie diesen?

Gut, nicht alle Verkäufer schreiben den Namen des Pferdes mit ins Angebot, aber bei freundlicher Nachfrage, geben die Besitzer den Namen preis.

Hier lohnt eine Recherche bei Pferd-Aktuell (Namenrecherche, auf der Startseite unten rechts im Menü). Hier kann man vorab schon einmal schauen, ob das angegebene Geburtsdatum stimmt. Ich schweife jedoch ab…

Wichtig ist hierbei, dass Sie sich mit dem Namen identifizieren können. Neulich gab es im Internet einen „Emmerlands Nils-Bruno“ (DR). Mir sagt ein solcher Name zu. Nils-Bruno ist so was von traditionell, bzw. unkonventionell (oder doch wieder konventionell?), dass ich sagen kann, dass ist echt cool! Vielleicht mögen Sie aber den Namen „Farina“ oder „Prinz Ferdinand“ oder „Cora“ oder aber auch nicht?! Sie wissen das am besten! Der Name ist so was wie eine Eintrittskarte und sollten Ihren Typus mit definieren. Gefällt Ihnen der Name, dann ist ein positiver Punkt auf Ihrer Kauf-Liste ab zu haken. Gefällt er Ihnen nicht, dann kann man schon erahnen, dass Sie sich in Richtung Fehlkauf bewegen, bzw. Ihnen das Pferd bei Besichtigung missfällt oder Sie den Zuschlag nicht erhalten.

Sollte übrigens im Angebot aktuelle Turnierteilnahme und Platzierungen drin stehen, so können Sie diese mit Angabe des Pferdenamens ab dem Jahr 2005 bei www.reitturnier-news.de nachprüfen. Nicht alle Turniere sind dort aufgelistet, jedoch kann man hier einen Trend der Angaben erkennen. Es gibt aber mittlerweile unzählige Portale mit solchen Angeboten.

  1. Die Bilder – sind diese ansprechend?

Schön, wenn via Foto schon der Blitz bei Ihnen einschlägt und sich quasi Liebe auf den ersten Blick einstellt. Wie auch bei Single-Börsen und Blind-Dates kann die Realität Sie unsanft auf den Boden setzen. Es gibt nämlich zwischen Mensch und Tier eine Chemie und gute Energien müssen dann über springen.

Pferde können abweisend reagieren, zeigen Desinteresse oder legen permanent die Ohren an und geben sich schlecht gelaunt. All das sieht man auf dem Foto nicht. Dies sei aber nur nebenbei erwähnt.

Dieser 2. Punkt spricht jetzt die Aufmachung und Abbildung einer Fotografie an.

  • Wie wurde das Pferd abgelichtet?
  • Stimmt die Umgebung?
  • Ist das Pferd gepflegt?
  • Gibt es ein Portrait?
  • Ein Foto unter dem Sattel? Beim Springen und generell in Bewegung?
  • Ist der Hintergrund ansprechend, sind die Bilder aktuell?

Ein Pferd in einer dunklen Halle, mit verwackelter oder unscharfer Aufnahme, beim Grasen auf der Koppel in der Herde, nur von hinten, mit zotteliger Mähne usw., usw., sind Hinweise darauf, dass dem Verkäufer die Präsentation egal ist und so egal wie ihm die Darstellung ist, war/ist ihm wohl auch der Vierbeiner. Wer ein gutes zu Hause sucht oder einen stolzen Preis erzielen will, sollte sich die Mühe machen, sein Pferd optimal zu zeigen.

Last but not least – immer wieder gern genommen, Fotos der Beschäler, anstatt ein Foto des Nachwuchses. Welchen Sinn soll das machen? Wie oft haben wir schon erlebt, dass der Sprössling so gar nicht nach dem Vater kommen mag! Hier soll ein schönes und gut ausgebildetes Pferd Möglichkeiten suggerieren. Warum versteckt man denn das Fohlen? Vielleicht ist es pummelig, hat kurze Beine, ist überbaut oder zu kurz, vielleicht das Fell in der Mauser und man hofft, das wächst sich noch zurecht (bis ein potentieller Käufer erscheint)? Vielleicht will man dem möglichen Käufer auch gleich klar machen, dass hier eine hohe Nummer drauf steht – bei so einem Vater eine ganz logische Sache! Aha.

Ebenso verhält es sich auch mit hoch angepriesenen Bundeschampionats-Pferden. Diese werden oft auf den Punkt hintrainiert (ohne Rücksicht auf Verluste, denn der Pferdehandel ist ein großer Markt!), um gleich danach in der Versenkung zu verschwinden – nie wieder gehört und nie wieder gesehen, denn nach großer Anstrengung in jungen Pferdejahren, kommt in den meisten Fällen ein Einbruch. Das sollten Sie bedenken, wenn mit „Championat“ oder „Kader“ geworben wird.

  1. Kontakt-Aufnahme – reagiert man schnell und freundlich?

Wenn Sie sich entschließen beim Käufer an zu rufen oder diesen via Mail zu kontaktieren, so machen Sie sich auf allerhand gefasst – positiv wie negativ. Ein gutes Zeichen ist es immer, wenn Sie den Besitzer umgehend erreichen und dieser dann auch noch freundlich und geduldig Ihre Fragen beantwortet. Schlecht ist es, wenn der Verkäufer nicht direkt erreichbar ist (Anrufbeantworter, Gattin hat keine Ahnung oder keiner geht an den Apparat). Das ist wieder ein Hinweis darauf, dass Sie sich gerade um das falsche Pferd bemühen. Beim richtigen Pferd gibt es keine Blockaden, alles funktioniert wie im Fluss (toller Pferde-Name, super Pferde-Fotos, nette und nicht! aufdringliche Verkäufer).

Schlimm ist es, wenn Ihr Gesprächsteilnehmer ins Plaudern verfällt und sich gerne reden hört (was bei originalen Züchtern vom Land eher die Ausnahme ist). Private Verkäufer haben hingegen Kummer und Sorgen und wollen diese auch los werden – nämlich an Sie. Es kommt aber auch vor, wenn Sie eine Nachricht auf dem AB hinterlassen oder eine SMS schreiben, dass es keine Rückmeldung gibt.

Wichtig ist spätestens jetzt die Erkenntnis, dass Sie hier nicht das passende Pferd am Wickel haben. Denken Sie bitte auch nicht, der Verkäufer hat keine Zeit, weil alle Welt sein Pferd haben will. Dem ist selten so! Es ist ganz einfach nicht so einfach mal schnell ein Pferd zu verkaufen. Das kann Wochen und Monate dauern. Den günstigen Kracher suchen alle, nur den gibt es nicht in der Realität.

Ergo: der Kontakt muss umgehend klappen und muss freundlich sein. Ein Termin, der vereinbart wird, muss ebenfalls ohne Hürden über die Bühne gehen. Sie sagen Sonntag 15.00 Uhr, dann muss der Verkäufer an diesem Tag zu dieser Uhrzeit Zeit haben. Ist das nicht so und Sie sollen Montag kommen, weil es ihm besser passt, dann wissen Sie jetzt nach der kleinen (meiner) Lehrstunde (siehe Punkt 1 und 2), dass eine Blockade besteht und Sie können den Termin gleich wieder absagen.

Spätestens am Tag der Besichtigung, sind Sie live dabei, wie Sie eben nicht vom Pferd begeistert sein werden, der Verkäufer nicht mit sich handeln lässt oder ein anderer Interessent den Zuschlag erhält.

Merke: Blockaden sind eindeutige Zeichen dafür, dass man sich für das falsche Pferd interessiert. Das Schicksal will Sie mit diesen Blockaden auf einen möglichen Fehlkauf hinweisen. Erkennen Sie die Zeichen und akzeptieren Sie diese, bevor Sie sich dann später doch ärgern. Das richtige Pferd kommt noch und zwar dann, wenn die Zeit reif ist!

  1. Angaben im Internet – haken Sie nach!

Der Verkäufer stellt das Pferd immer mit den besten Vorzügen vor. „Unverbraucht, schmiede- und verladefromm, geimpft und entwurmt. M-Springen sofort einsatzbereit!“

Lesen Sie zwischen den Zeilen! Aussagen wie „ist verschmust“, „liebt es betüddelt zu werden“, „komplett geimpft und entwurmt“, sind ein Hinweis darauf, dass das eigentlich schon alles ist, was dieses Pferd zu bieten hat.

Hier fehlt aller Wahrscheinlichkeit nach eine Ausbildung und Erziehung. Das gleiche gilt bei dem Wort „unverbraucht“ – hier hat das Pferd wahrscheinlich wenig Training und stand sehr viel auf Weide herum. Manchmal ist es auch „unverbraucht“, weil man Angst vor dem Pferd hat oder es nicht für Turniere geeignet ist. Ebenso bei dem Hinweis „braucht erfahrenen Reiter“ – hier hinter könnte sich ein kleiner Verbrecher verbergen (auch bei dem Hinweis „ist sensibel“. Nichts, was man möglicherweise nicht korrigieren oder was man nicht in den Griff bekommen könnte, aber es ist kosten- und arbeitsintensiv. Sowas muss dann den Preis drücken!

Lassen Sie sich den Begriff des „erfahrenen Reiters“, der das Pferd braucht, genau definieren. Manchmal ist das Pferd ganz einfach nur temperamentvoll, gerne aber auch mal frech unter dem Sattel. Verkäufe aus Zeitgründen, also, der Besitzer hat keine Zeit für sein Pferd, bietet aber einen Tausch an, dienen dann dazu ein Pferd irgendwie aus irgendwelchen Gründen los zu werden! Nicht aus Zeitgründen, sondern weil das Pferd ein Problempferd ist oder aber nicht das ist, was man sich vorgestellt hat.

Immer wieder schön, ist auch die Forderung nach „Abgabe nur in beste Hände“. Bei einigen Verkäufern stimmt dieser Satz, andere Zeitgenossen aber wollen entweder ihr schlechtes Gewissen mit dem Verkauf los werden, weil irgendwas in der Zwischenzeit schief gelaufen ist oder aber sie wollen damit einen überhöhten Preis erzielen. Fakt ist jedoch bei den meisten Verkäufern – guter Vorsatz hin oder her – aus den Augen, aus dem Sinn. Kaum einer guckt mehr als 1 – 2 Mal nach dem Verkauf nach seinem Liebling. So weit geht die Liebe dann doch nicht…

Dann gibt es noch die Angaben wie „M sofort einsatzbereit!“ Das mag wohl sein, fragen Sie aber dennoch nach dem FN-Eintrag und aktuellen Turnieren. Wenn Sie Pech haben, dann ist dieses Pferd irgendwann mal im Leben einen M-Oxer im Training gesprungen, aber tatsächlich immer nur im E-Parcour gestartet – wenn überhaupt. „Potential für M“, „Vermögen für mehr“ und ähnliche Aussagen, sagen nichts über den aktuellen Leistungsstand aus und nur eine gute Hoffnung sollten Sie nicht kaufen.

Bilder vom Freispringen oder auch ein Freispringen real betrachtet, sagen nichts darüber aus, ob das Pferd unter dem Reiter Mut und Vermögen hat, dazu klar im Kopf  und angriffslustig genug ist. Ich kenne einige Pferde, bei denen man Tränen in den Augen beim Freispringen bekommt, weil kein Sprung zu hoch ist, aber auf dem Turnier die Nerven verlieren. Bedenken Sie auch, dass Pferde angeboten werden, die „sauer“ sind – diese sind fertig mit dem Springen, weil man es mit ihnen übertrieben hat.

Übrigens gibt es einige Anbieter, die unter A-fertig und A-fertig große Unterschiede machen. Manchmal ist der Leistungsstand nämlich doch unter E… Und nicht zu vergessen, „interessant für die Zucht“ – nicht jede Stute kann trächtig werden oder es gibt Totgeburten. Oft wurde das schon vorher ausprobiert und die super Abstammung auf dem Papier bringt noch keine Fohlen!

  1. Anfahrt zum Pferd

Auch hier liegt die Blockade und Tücke im Detail. Die Frage ist, finden Sie den Weg zum Pferd und zwar ganz direkt, auf Anhieb und sofort?

Wenn Sie sich verfahren und sei es noch so ein kleiner Stichweg, um in die Land-Karte zu schauen oder das Navi-Gerät neu zu laden, können Sie gleich wieder um kehren. Eigentlich. Sind Sie schon fast da, dann können Sie sich natürlich auch schnell selbst versichern, dass dieser Ratgeber am Ende stimmt. Das Pferd wird nicht das sein, was Sie sich erhoffen.

Also, wer sich verfährt, hat eine Blockade erwischt und eine Blockade sagt uns schon in den anderen Punkten, kaufe nicht dieses, sondern jenes Pferd! Finden Sie den Weg zum Händler/Züchter/Verkäufer fast blind, dann ist es gut, dann ist alles im Fluss. Übrigens: Ärger mit der Begleitperson (gerne der Lebenspartner oder die Eltern) während der Fahrt, deuten auch – wie immer – auf einen Fehlkauf oder eine Absage hin, unpünktliches Erscheinen von Ihnen oder dem Verkäufer, natürlich auch.

  1. Unterbringung des Pferdes

Hühnerstall oder gepflegte Anlage? Ralley über Stock und Stein, Jumping von Koppel zu Koppel durch Dickicht und über Plattenwege? Ponys alleine in der Garage neben dem fetten Benz oder als Turnierpferde angepriesen und ausgebunden im Schulbetrieb mitgelaufen? Ich habe, glaube ich, schon alles erlebt.

Sogenannte M-Pferde teilen sich den Vorgarten mit den Hühnern, mit einem Züchter bin ich tatsächlich von Weide zu Weide gefahren, um alle Pferde an zu gucken (gucken ja, reiten nein).

Überpenible saubere Reitanlage, bei der man kaum mit schmutzigen Stiefeln über den Hof gehen mag. Pferde die gesucht werden: „Heidi, sag mal, auf welcher Weide hatten wir Tarzan heute?“ oder stundenlang geputzt werden mussten (und als Interessent steht man gelangweilt daneben, weil man ja auch nichts besseres vor hat), aber auch Pferde, die plötzlich ganz anders aussahen, als im Internet beschrieben: kleiner, andere Farbe, anderer Ausbildungstand….

Ein teures hochklassiges Sport- und Turnierpferd sollte in einer gepflegten Anlage, in einer sauberen Box, geputzt und fertig gewienert stehen. Ein gehobenes Freizeit-Pferd darf auch einfachen Ansprüchen genügen, die Box sollte aber frisch gemacht und das Pferd sauber sein. Ein Privatstall ist natürlich völlig ok.

Wichtig ist der Eindruck des Stalls und der Umgebung. Liegt viel Müll herum, ist es unordentlich, gar chaotisch und fühlen Sie sich unwohl, dann sagt Ihr Bauch schon eher Nein zu einem möglichen Pferdekauf. Wie auch immer der Betrieb aussieht, Sie müssen sich dort wohl fühlen! Freizeitpferde, Ponys, Beisteller und Rentner brauchen es da weniger feudal. Eine Robusthaltung hat nämlich – wie wir alle wissen – auch seine Vorteile, wenn man eben nicht im Sport seine Motive sucht. Aber auch dann muss alles seine Ordnung haben und Ihnen muss vermittelt werden, Sie sollen sich hier wohl fühlen. So wie Sie sich fühlen, fühlt sich auch das Pferd. Diese Schwingungen und Energien kann man nämlich übertragen.

Ein pedantisch sauber gehaltener Stall vermittelt Unruhe, weil man stets darauf bedacht ist, immer ordentlich zu sein. Das ist anstrengend. Der nächste Punkt ist der, dass man zur Hysterie bei den Pferden neigt und sie in Watte packt, sobald sich eine Blessur zeigt oder sich eventuell eine einstellen könnte. Zuviel Vorsicht ist für die Seele von Pferden negativ.

Die andere Seite: Unordnung und Chaos wird auch auf die Pferde übertragen. Man ist dann vielleicht zu nachlässig und sorglos im Umgang mit den Pferden und man muss genau nachhaken, wann die letzte Impfung und Wurmkur gegeben wurde. Super nervig ist eben auch, wenn man Ihnen weis machen will, dass es gut ist, wenn Sie gleich sehen, wie das Pferd auf der Weide reagiert, wenn man es von dort weg holt.

Dabei trotten Sie dann viele, viele Meter durch Matsch und Gerümpel, um der ängstlichen Besitzerin das Pferd ab zu nehmen oder um Publikum zu spielen, weil sie ihre Sorgen an Sie los werden will. Ein Pferd sollte, wenn der Termin fest steht, umgehend zur Verfügung stehen. Es sei denn es ist alt oder krank oder es gibt definitiv keine anderen Möglichkeiten einer Unterbringung, die käuferfreundlich ist.

Alles andere zeugt von Desinteresse des Verkäufers und irgendwie auch von Respektlosigkeit und unnötiger Zumutung. Schließlich will man Ihr Geld! Und was können Sie dafür, dass die letzten zehn Interessenten die Zeit des Verkäufers gestohlen haben? Vielleicht stimmt dann etwas nicht mit dem Angebot….

Aus meiner Sicht ist es jedenfalls nicht in Ordnung, wenn man Sie mit frisch geputzten Reitstiefeln durch den Matsch des Paddocks jagt, um das Pferd gemeinsam zu holen. So was ist fast schon frech und wenig umsichtig.

Gut, wenn Sie eh zu den Naturburschen gehören und so was von lässig durch die Prärie reiten, dann passt es wiederum sehr gut vom Thema her. Man muss gucken, wer bin ich, was für ein Pferd suche ich und dann das passende Umfeld danach aussuchen und sortieren

  1. Probereiten und Umgang mit dem Pferd

Geben Sie dem Pferd – weil Sie eine nette Person sind – ein Leckerlie, kaut das Pferd sehr hoch, dann müssen die Zähne gemacht werden. Ein super Trick, nicht?

Lassen Sie sich zeigen, wie artig das Pferd die Hufe gibt, damit Sie vorher sehen, dass es in diesem Bereich auch später keine Probleme gibt. Gucken Sie sich die Hufe genau an. Diese müssen frisch vom Schmied, gehobelt und geölt, auf jeden Fall in einem Top-Zustand sein! Prüfen Sie an den Fesseln Mauke, gucken Sie sich den Strahl an, prüfen Sie die Beine (Sehne, Chips, Gallen, Narben). Fragen Sie, ob das Pferd krank war und wenn ja, was es hatte. Hufgelenksentzündungen und ähnliche Krankheiten werden nicht immer erwähnt, wenn man nicht direkt danach fragt, deshalb sollte man solche Dinge vertraglich fest halten. Die Mähne muss gepflegt (verlesen) oder beim Turnierpferd eine akkurate Länge haben.

Das Equipment des Pferdes, bzw. des Besitzers sollte greifbar und ordentlich aufbewahrt werden. Hier haben Sie einen Hinweis darauf, wie dieser mit dem Pferd umgegangen sein könnte. Ordentlicher und sauberer Putzkasten ist ein Indiz für ein ständig gepflegtes Pferd. Pferd sauber, Putzkasten ein Chaos – klar, das Pferd wurde kürzlich heraus geputzt. Das ist bedingt in Ordnung, aber entlarvt den Besitzer. Sattel und Zaumzeug muss ebenfalls gepflegt und in Ordnung sein. Achten Sie beim Satteln drauf, wie das Pferd auf den Gurt reagiert und ob dieser überhaupt richtig fest angezogen ist. Hier kann man Sattelzwang erkennen.

Lassen Sie sich immer das Pferd zuerst vorreiten. Setzen Sie sich NIEMALS auf fremde Pferde (und immer nur mit Helm!), bevor Sie es selbst nicht unter dem Sattel gesehen haben. Ich habe nämlich schon selbst gesehen, dass ein rohes Pferd so sein erstes Mal erlebt hat. Das ist gefährlich. Bei Pferden die bocken und steigen, ist es besser, wenn ein anderer vom Zossen fällt und eben nicht Sie als Käufer.

Klären Sie vorher, ob ein Bereiter das Pferd vorreitet und verzichten Sie auf den Termin, wenn keine geeignete Person vor Ort ist. Egal welche Ausreden es gibt. Macht das Pferd einen friedlichen Eindruck und ist es in allen drei Grundgangarten vorgeritten worden, dürfen Sie sich selbst drauf setzen. Richten Sie dabei Ihr Hauptaugenmerk darauf, ob das Pferd still steht und Sie geduldig beim Aufsitzen „erträgt“ – ohne Hilfe des Gegen- oder Festhaltens. Interessieren Sie sich für ein Springpferd, sollte es vorgesprungen werden und natürlich sollten auch gute und ausreichend Sprünge vorhanden sein. Auch das sollten Sie vorher klären. Leider ist es nicht selbstverständlich, dass, wenn Sie ein M-Springpferd ausprobieren wollen, auch Hindernisse zur Verfügung stehen.

Aber was rede ich da… ja, all das habe ich schon real erlebt.

Was sollen Sie dann eigentlich dort, wenn Sie ein Springpferd kaufen wollen und Sie können das nicht testen? Beim Dressur-Pferd achten Sie auf das Gebiss. Ein Korrektur-Gebiss bringt das Pferd quasi von alleine in die Senkrechte, probieren Sie immer mit einer Wassertrense das Pferd aus, denn es gibt auch Pferde, die kann man nur noch mit Kandarre reiten… Bei Youngstern sollte ebenfalls vorher geklärt werden, ob man es in der Halle laufen sehen und freispringen lassen kann.

Einige Verkäufer legen es darauf an, sind nicht vorbereitet und hoffen, dass Sie das Pferd auch so mit nehmen. Tun Sie das bitte nicht! Und gut ist immer, wenn Sie einen professionellen Berater mit haben. Lieber einmal ein paar Euro gut investiert, anstatt in Euphorie mit Ihrem Freund auf dem Heimweg sich in Pokalen und Schleifen schwelgend, um dann ein Jahr der Frustration zu erleben, weil das Pferd zu fest im Rücken war.

  1. Beobachten Sie Angebote

Wie lange stehen die Pferde drin, werden sie wieder aktiviert oder umgeschrieben? Dann stimmt etwas mit den Angaben nicht oder der Verkäufer hat einfach Pech und Sie können es vielleicht zum Schnäppchen-Preis erwerben. Beim Händler brauchen Sie mit einem Schnäppchen nicht zu rechnen. Dieser Personenkreis lebt vom Handel! Dafür können Sie aber bei seriösen Händlern auch immer auf Top-Qualität stoßen. Kaum ein Händler, der etabliert und viele Jahre im Geschäft ist, hat Interesse daran, seinen guten Ruf zu verlieren und wird Sie gut beraten.

  1. Preise

Suchen Sie ein Pferd bis zu 3.500 Euro, dann schauen Sie sich auch Pferde zu 5.000 Euro an. Der Verkäufer plant immer eine Handlungsspanne ein und manchmal bekommt man ein tolles Pferd wesentlich günstiger, weil die Chemie und Sympathie von Käufer und Verkäufer stimmt. Versuch macht klug!

Schnäppchen-Angebote haben meistens einen Haken (Problempferd, krank usw.), nur ganz selten bekommt man ein tolles Pferd günstig, weil der Verkäufer unwissend ist und keine Ahnung hat, dass er da gerade einen ungeschliffenen Diamanten verkauft. Tatsächlich kann man aber mit Weideunfällen auch richtig Glück haben. Auch mit Pferden die für den Schlachter bestimmt sind. Es gibt einige, die heute S-Dressur laufen oder einfach mit viel Bravour kleine Springteufel sind. Das ist aber ein bisschen wie Lotto spielen.

Wichtig ist, dass Sie selber nicht geizig sind und ein gutes Pferd auf ein Minimum herunter handeln wollen. Man muss schon einen Preis bezahlen, damit auch die Wertschätzung gegenüber dem Geschöpf vorhanden ist.

Manchmal scheitern aber auch Zuschläge an ein paar Euro, weil der Verkäufer oder Käufer auf stur schaltet. Entweder geht man dann als Käufer noch einmal seine Preisgrenze durch oder akzeptiert ganz einfach, dass das Pferd einfach nicht zu Ihnen soll.

  1. Unverhoffter Besuch

Bevor Sie zuschlagen, weil Sie nun „Ihr“ Pferd gefunden haben, fahren Sie ein zweites Mal zu „Ihrem“ Pferd und zwar ohne Vorankündigung.

Zum einen können Sie dann vielleicht testen, ob das Pferd mit „Booster“ beim ersten vereinbarten Besichtigungstermin still gestellt worden ist, zum anderen fragen Sie in Gedanken das Pferd, ob es überhaupt zu Ihnen will.

Das Pferd gibt Ihnen ein Zeichen. Im Regelfall ist es eindeutig, selten zweigespalten. Es kann nicken, kuscheln, Sie drollig ansehen, mit der Hufe scharren, in die Tasche kriechen oder andere lustige Sachen machen, um eine Zustimmung zu signalisieren.

Will es nicht zu Ihnen, dann beachtet Sie es kaum, dreht Ihnen den Hintern zu, reißt sich los, legt die Ohren an, will Sie hauen, macht Ihnen irgendwie Angst oder guckt wie immer und gibt kein Zeichen.

Sie können sich darauf verlassen, diese Vorgehensweise funktioniert.

Wundern Sie sich aber bitte nicht, wenn das angepriesene super artige Pferd sich plötzlich vom Strick losreißt…. Das ist nicht persönlich gemeint, aber als Zeichen zu verstehen, dass Sie beide nicht ein Paar werden sollen. „Das hat er ja noch nie gemacht!“, sagt da der Verkäufer und Sie denken, na, wenn das man stimmt und der Verkäufer denkt, wieso macht er das denn jetzt und redet was von Vorführeffekt. Ganz ehrlich – so was gibt es!

Artige Pferde mutieren zum Besen und Satansbraten können sich in Engel verwandeln.

  1. Haftung bei falschen Angaben

Wenn Sie jetzt auf Grund der Angaben des Pferde-Angebots zum Verkäufer fahren und die Angaben stimmen nicht mit dem des Pferdes in der Realität überein, dann können Sie dem Verkäufer Ihren zeitlichen und finanziellen Aufwand in Rechnung stellen.

Es ist also einfach nur schlau, wenn Sie vom Angebot eine PDF-Datei anfertigen, damit Sie ein Beweis-Mittel haben, wenn der Verkäufer das Angebot zwischenzeitlich ändern sollten.

Und es ist auch gut, wenn Verkäufer diese Zeilen lesen, denn so kann man vermeiden, dass Interessenten Zeit, Geld und Lust beim Suchen verlieren.

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